Invasive Arten: Tierschutz muss im Vordergrund stehen

Die EU will invasive, gebietsfremde Tier- und Pflanzenarten bekämpfen. Eine entsprechende Verordnung kann von den Mitgliedsstaaten nach eigenen Vorstellungen umgesetzt werden. In Deutschland haben sich fünf Verbände zusammengschlossen und ein Positionspaper erstellt, in dem der Tierschutz oberste Priorität hat.

Laut Willen der EU sollen zahlreiche invasive, gebietsfremde Tier- und Pflanzenarten in Europa zum Schutz des heimischen Ökosystems bekämpft, und so an einer weiteren Ausbreitung gehindert werden. Die Umsetzung einer entsprechenden Verordnung liegt in den Händen der einzelnen Mitgliedsstaaten.

Tierschutzgerechtes Vorgehen gefordert
Die Auffangstation für Reptilien in München, der Bund gegen Missbrauch der Tiere, der Bundesverband für fachgerechten Natur-, Tier- und Artenschutz, der Deutsche Tierschutzbund und die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz haben sich zusammengeschlossen und ein Positionspapier zur Umsetzung der EU-Verordnung erarbeitet. Ihre Forderungen haben die Verbände an die Tierschutzbeauftragten der Bundestagsfraktionen, das Bundesumwelt- und das Bundeslandwirtschaftsministerium, das Bundesamt für Naturschutz sowie die zuständigen Landesministerien gerichtet.
 
Tötungsmaßnahmen unakzeptabel
Grundsätzlich begrüßen die fünf Verbände, dass Tiere, welche die heimische Tierwelt beeinträchtigen können, nicht mehr eingeführt und gehandelt werden dürfen. Tötungsmaßnahmen jedoch, werden strikt abgelehnt. Stattdessen sind geeignete Lösungen zum Umgang mit und zur Haltung von Tieren invasiver Arten, die bereits im Land sind, erforderlich. Dazu gehört auch, dass sie in Tierheimen und Auffangstationen weiterhin betreut und in gute Hände abgegeben werden können. Besondere Maßnahmen sind für nicht heimische Tierarten erforderlich, die bereits in Deutschland eingebürgert sind, wie zum Beispiel für den Waschbär. Die Jagd auf die Tiere hat bislang keinen Erfolg gezeigt, da frei werdende Reviere unmittelbar von anderen Waschbären besetzt werden. Eine tiergerechte und nachhaltige Lösung wäre dagegen die Kastration möglichst vieler Tiere: Ein kastrierter Waschbär besetzt weiter ein Revier und führt so zu einer tierverträglichen Reduktion der Population.
 
Es besteht Unsicherheit
Mit ihrem Positionspapier möchten die Verbände Tierheimen und Auffangstationen, Tierärzten und Veterinärämtern sowie privaten Tierhalter einen Leitfaden zum Umgang mit den als invasiv eingestuften Tierarten an die Hand geben. Oberste Priorität hat ein tierschutzgerechtes Vorgehen. Das Töten von Tieren nur, weil sie als invasiv und gebietsfremd gelten, wäre aus Tierschutzsicht absolut inakzeptabel. Dies gilt sowohl für Tiere in menschlicher Obhut, etwa in Auffangstationen, als auch für Tiere in freier Wildbahn. Das Durchführungsgesetz und die Managementpläne, die derzeit von den Landesministerien erarbeitet werden, müssen aus Sicht der Verbände diesen Aspekt unbedingt berücksichtigen und tierschutzgerechte Lösungen vorlegen.
 
Bildunterschrift: Die Schmuckschildkröte auf dem Motiv der Kampagne „Tierheime helfen. Helft Tierheimen!“ des Deutschen Tierschutzbundes zählt zu den von der EU gelisteten invasiven Arten. Die Tierheime müssen bereits heute viele der Tiere aufnehmen und stehen angesichts der EU-Verordnung zu invasiven Arten vor noch größeren Herausforderungen, die es zu meistern gilt.

Copyright: Deutscher Tierschutzbund e.V.

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