Kein Wildtierverbot im Zirkus

Deutscher Tierschutzbund e.V.

Obwohl der Bundesrat sich 2016 für ein Wildtierverbot im Zirkus ausgesprochen hat, dürfen Zirkusunternehmen die Tiere immer noch halten. Der Grund: Die Bundesregierung hat bislang nicht auf den Entschluss des Bundesrates reaiert.

Am 18. März 2016 hatte sich der Bundesrat dafür ausgesprochen, dass zumindest Affen, Großbären, Elefanten, Nashörner, Flusspferde und Giraffen nicht in Zirkussen gehalten werden sollten. Die Bundesregierung hat diesen Entschluss scheinbar ignoriert, denn bis heute gibt es von ihrer Seite keine Reaktion darauf. Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, kritisiert die Haltung der Bundesregierung: „Obgleich die letzte Entschließung des Bundesrates bereits ein Jahr zurückliegt, sind bis heute seitens der Bundesregierung keine Taten erfolgt. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt bleibt offenbar untätig. Der Widerstand in der Unionsfraktion scheint zu groß zu sein, um den Wunsch der Mehrheit des Bundesrates und der Gesellschaft umsetzen zu können.“

Bundesregierung muss dringend handeln
Mittlerweile haben über 60 Städte und Gemeinden beschlossen, Zirkussen mit Wildtieren keine städtischen Flächen mehr zur Verfügung zu stellen. Etliche weitere Kommunen haben Handlungsbedarf gesehen, aber aufgrund der unklaren Rechtslage Abstand von einer solchen Regelung genommen. Jüngst hat das Oberverwaltungsgericht Lüneburg festgestellt, dass nur der Bundesgesetzgeber über ein Verbot entscheiden könne. Darüber hinaus stellen die Vollzugsbehörden weiterhin ständig eine Vielzahl von Verstößen gegen das Tierschutzrecht bzw. die „Zirkusleitlinien“ fest, sind aber weitgehend machtlos, diese Verstöße nachhaltig zu entschärfen. Während die Haltungsvorgaben für Säugetiere in Zoos oder privater Hand angepasst wurden, steht eine Überarbeitung der Zirkusleitlinien nach wie vor in weiter Ferne. „Zirkustiere werden damit weiter wie Tiere zweiter Klasse behandelt“, sagt Schröder. „Die Tierqual unter der Zirkuskuppel muss beendet werden. Eine klare, parteiübergreifende Mehrheit der Länder und der Bürger muss auch eine Bundesregierung zur Einsicht bringen. Herr Schmidt, tun Sie endlich was gegen das Leid der Zirkustiere.“

Wildtierhaltung im Zirkus

Für die Haltung von Tieren im Zirkus gibt es bislang keine konkreten rechtlichen Vorgaben. Lediglich die so genannten „Zirkusleitlinien“ - die nicht einmal rechtsverbindlich sind - stellen minimalste Anforderungen an Haltung und Unterbringung der Tiere. Dementsprechend kommt es in Zirkusbetrieben immer wieder zu Verstößen gegen das Tierschutzrecht oder eben gegen die Zirkusleitlinien. In fahrenden Zirkussen leiden die Tiere unter den ständigen Transporten, eine artgerechte Unterbringung an den Spielorten ist nicht möglich. Die Dressur der Zirkustiere beruht nicht auf - wie von den Befürwortern angegeben - einem Vertrauensverhältnis zwischen Mensch und Tier, sondern oftmals auf Zwang und Gewalt. Viele Länder Europas, darunter Großbritannien und die Niederlande, haben ein Wildtierverbot im Zirkus bereits eingeführt oder das Mitführen bestimmter Tierarten untersagt.

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