Animal Hoarding: Die dunkle Sucht

verwahrloste Hunde
Verwahrloste Hunde aus einem Animal Hoarding-Fall (Copyright: Tierschutzverein Andernach)

Im Jahr 2023 wurden bundesweit 343 Fälle von Animal Hoarding gemeldet – statistisch fast jeden Tag einer. Im Durchschnitt waren 47,5 Tiere pro Fall betroffen. Auch wenn mit den Ergebnissen eines Forschungsprojekts unter der Leitung des Deutschen Tierschutzbundes erstmals belastbare Zahlen vorliegen, so sind die Ausmaße der „Tiersammelsucht“ besorgniserregend. Das interdisziplinäre Forschungsprojekt hat der Deutsche Tierschutzbund gemeinsam mit dem Bundesverband der beamteten Tierärzte, der Forschungsgruppe Mensch-Tier-Beziehung der TU Dresden und dem Verein TierSucht durchgeführt.

Hohe Rückfallquoten

„Das Forschungsprojekt macht die tatsächlichen Dimensionen von Animal Hoarding deutlich und zeigt, dass wir das Problem an der Wurzel angehen müssen. Auch, wenn die Beschlagnahmung der Tiere akutes Tierleid beendet, beginnt der Kreislauf immer wieder von vorn, wenn betroffene Menschen keine passende Unterstützung erhalten. Genau deshalb brauchen wir jetzt ein Umdenken in Politik und Praxis“, sagt Nina Brakebusch, Leiterin des Forschungsprojekts beim Deutschen Tierschutzbund. Damit bestätigt sie, was viele Veterinärämter und Tierschutzvereine Tag für Tag erleben: Es reicht nicht, Animal Hoardern einfach nur ihre Tiere wegzunehmen. Ohne Hilfe werden sie immer wieder rückfällig.

Das zeigt ein Beispiel aus dem Landkreis Osnabrück: Im Frühjahr 2025 rettete das Veterinäramt 47 verwahrloste Hunde aus einem Haus in Bad Iburg. Von mehreren Tierschutzvereinen wurden die meisten Tiere danach wieder aufgepäppelt, einige mussten jedoch eingeschläfert werden. Der Halter wurde zu einer Haftstrafe verurteilt und erhielt ein lebenslanges Tierhaltungsverbot. Trotzdem fiel er Anfang 2026 zunächst noch einmal auf; erneut mussten 17 vernachlässigte Hunde aus einer Wohnung in Bad Rothenfelde geholt werden.

Tierleid und menschliches Leid lösen

81 Prozent aller Veterinärämter in Deutschland beteiligten sich an der Erhebung. Drei Viertel der Hoarder waren den Behörden bereits bekannt, davon über ein Viertel durch frühere Fälle von Animal Hoarding. Hier setzt ein zweiter Teil des Forschungsprojekts an: In Interviews mit Betroffenen sollen psychologische und biografische Ursachen untersucht werden. Ziel ist es, Präventionsmaßnahmen und Leitlinien für Veterinärbehörden, Sozialarbeit und weitere beteiligte Berufsgruppen zu entwickeln. Das interdisziplinäre Projekt wird vor allem von der Stiftung des Deutschen Tierschutzbundes und der Stiftung ProNature gefördert und ist in dieser Form weltweit einzigartig.

Jahresauswertung bestätigt Trend

Dass Animal Hoarding ein gravierendes Tierschutzproblem bleibt, zeigt auch die gerade veröffentlichte Jahresauswertung des Deutschen Tierschutzbundes: Für das Jahr 2025 hat der Verband 150 Fälle mit mindestens 13.275 betroffenen Tieren dokumentiert – ein deutlicher Anstieg der Tierzahlen gegenüber dem Vorjahr. „Unsere bisherigen Auswertungen zeigen seit Jahren einen steigenden Trend. Das Forschungsprojekt bestätigt jetzt, dass wir von einer erheblichen Dunkelziffer ausgehen müssen“, so Brakebusch.

Quelle: Deutscher Tierschutzbund e.V.

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