Ganz schlaue Lauscherchen
In den meisten Fällen lernen Hunde die Namen von Gegenständen, indem ihre Bezugsperson ihnen diese mehrfach zeigt und dabei benennt. Hochbegabte Hunde können jedoch offenbar etwas, das bisher nur bei Kindern ab etwa 18 Monaten beobachtet worden ist: Sie belauschen ein Gespräch zwischen Menschen und merken sich die darin genannten Gegenstände – und das sogar, wenn Wort und Gegenstand zeitversetzt auftauchen.
Experiment mit zwei Gruppen
Die Kognitionswissenschaftlerin Shany Dror von der Eötvös-Loránd-Universität Budapest und ihr Team haben dazu eine Studie durchgeführt, deren Ergebnisse kürzlich in der Zeitschrift „Science“ veröffentlicht wurden. Zwei Gruppen von Hunden waren im Rahmen dieser Studie getestet worden: Die erste Gruppe waren zehn so genannte „gifted word learners“, d. h. hochbegabte Hunde, die bereits auffallend viele Spielzeuge und deren Namen kannten. Die zweite Gruppe waren zehn typische Familienhunde, die zu dem Zeitpunkt über keinen außergewöhnlichen Wortschatz verfügten.
Das Experiment lief folgendermaßen ab: Die Bezugsperson des jeweiligen Hundes unterhielt sich mit einer weiteren Person eineinhalb Minuten lang über ein neues Spielzeug, das dabei auch hin- und hergereicht wurde. Die Sprache war einfach, begeistert und gut hörbar; der Gegenstand wurde zwischendurch verdeckt. Der Hund war dabei anwesend, wurde aber weder direkt angesprochen noch angeschaut.
Nach dem Gespräch sollten die Hunde sowohl bekannte als auch die zuvor unbekannten Gegenstände aus einer Auswahl heraussuchen und apportieren. Wie oft würden die Hunde das richtige Spielzeug wählen? Zwei Wochen später testeten die Forscher nochmals, ob die neuen Wörter noch abrufbar waren. Das verblüffende Ergebnis: Die Superhunde wählten fast immer das richtige Spielzeug aus, auch Wochen danach. Auf die Familienhunde traf dies jedoch nicht auffallend häufig zu.
Hochbegabung – auch bei Hunden selten
Es ist damit klar, dass es sich um eine komplexe soziale Fähigkeit handelt, die nur ganz wenige Hunde besitzen. Sie können aus einem Gespräch das herausfiltern, das für sie relevant ist – eine Fähigkeit, die bis dato nur bei Menschen vermutet wurde. Das Forschungsteam hatte zuvor sieben Jahre lang nach diesen hochbegabten Hunden gesucht und weltweit nur 40 bis 45 gefunden. Allerdings gibt es eine Rasse, bei der die Begabung häufiger auftritt als bei anderen: Border Collies. Weitere Rassen, bei denen sie beobachtet wurde, waren Labradore, Golden Retriever, Australien Sheperds, Pekinesen und Shih Tzus.
Die komplette Studie können Sie hier (in englischer Sprache) nachlesen.