Schlauer, geselliger, friedlicher

Fuchs auf Friedhof in London
Ein Fuchs auf einem Friedhof in London

Offenbar entdecken immer mehr Tierarten in unseren Städten neue Lebensräume. Während Nahrung meist reichlicher vorhanden und leichter zu beschaffen ist, stellen Lärm, Hitze, Verkehr und Menschen neue Herausforderungen dar. Interessanterweise nutzen viele Tiere dies jedoch für sich; sie passen sich geschickt und verblüffend schnell an die Gegebenheiten an. Forscher sprechen laut SWR gar von einer „Turbo-Evolution im Zeitraffer“.

Eidechsen

Wer schon mal Urlaub in wärmeren Gefilden gemacht hat, kennt dieses Bild: Einzelne Eidechsen huschen an der Wand oder sitzen in der Sonne. Ein Forschungsteam der Universität Bielefeld hat nun Populationen von Mauereidechsen in der kroatischen Stadt Rovinj beobachtet und dabei Verblüffendes festgestellt. In der Altstadt versammelten sich immer wieder mehrere Exemplare und sonnten sich gemeinsam. Normalerweise sind die Reptilien Einzelgänger und halten Abstand zu Artgenossen. Die Ergebnisse hier waren jedoch eindeutig: Versiegelte Flächen, weniger Verstecke, ungleich verteilte Ressourcen wie Nahrung und Sonnenplätze führen den Wissenschaftlern zufolge zu einer höheren Akzeptanz untereinander. Die Eidechsen tun sich zusammen, bilden Gruppen und gehen durchaus engere Verbindungen ein.

Vögel

Spatz
Braune Vögel wie der Spatz haben es in der Stadt schwerer

Viele Jahre ging man davon aus, dass Vogelarten, die in Städten zuhause sind, nur grau oder schwarz sind. Kaspar Delhey, Biologe am Max-Planck-Institut für Biologische Intelligenz im bayrischen Seewiesen und Martinsried, und ein internationales Forschungsteam haben dies jedoch widerlegt. Sie erstellten eine Datenbank mit über 2.000 Vogelarten auf der ganzen Welt, die deren Gefiederfarben und Lebensraum erfasste. Es ging ihnen laut „Tagesschau“ nicht um einzelne Vogelarten sondern allgemeingültige Tendenzen. Die Ergebnisse, die in der Fachzeitschrift „Ecology Letters“ nachzulesen sind, zeigen: Jede Vogelart ist in der Stadt in mehr Farben - vor allem Schwarz, Grau und Blau - vertreten als die gleiche Vogelart auf dem Land. Die Vermutung ist, dass in der Stadt weniger Fressfeinde leben – was es Vögeln erlaubt, mehr aufzufallen und Artgenossen zu beeindrucken.

Gleichzeitig zeigte sich ein weiterer Trend: Vogelarten mit braunem Gefieder, z. B. Spatzen, gehen in Städten insgesamt zurück. Diese Vögel brüten in der Regel am Boden und laufen an Bäumen entlang; damit kommen sie insgesamt schlechter in urbanen Lebensräumen zurecht.

Andere Studien zeigten außerdem, dass Vögel in der Stadt höher singen als auf dem Land – vermutlich, um sich an den Lärm in der Stadt anzupassen.

Füchse

Sie gehören zum festen Inventar vieler Großstädte. In Köln, Hamburg oder Berlin haben sich Füchse dauerhaft angesiedelt und laufen durchaus auch durch Wohngebiete. Als Allesfresser finden sie in der Stadt ideale Nahrungsbedingungen: Überall gibt es leckere Abfälle und Konkurrenz ist praktisch nicht notwendig, da alles im Überfluss vorhanden ist. Diese Beobachtung machten Forscher auch in Großbritannien: Füchse leben auch hier in Familienverbänden mitten in der Stadt und suchen gemeinsam nach Nahrung. Aggressionen untereinander kommen kaum vor, da das Angebot – anders als auf dem Land – für alle ausreicht. Insgesamt haben sie sich als Überlebens- und Anpassungskünstler an Lärm, Verkehr und viele Menschen gewöhnt und sind deutlich weniger scheu als ihre Artgenossen auf dem Land oder im Wald.

Weitere Tierarten

Wachbären
Waschbären sind erfinderisch in der Nahrungsbeschaffung

Auch von Waschbären, die als invasive Art ebenfalls in Städte vorgedrungen sind, ist ein ähnliches Verhalten bekannt. Sie räubern Mülltonnen oder verstecken sich auf Dachböden oder in Kellern. Schnecken gelten laut SWR als „besonders anpassungsfähig“: Sie leben in den unterschiedlichsten Regionen und Klimazonen. Stadtschnecken mussten sich insbesondere auf Hitze einstellen und haben deswegen offenbar hellere Gehäusefarben entwickelt, um die Sonne besser reflektieren zu können. Grashüpfer tönen mit höheren Frequenzen, um quasi gegen den Lärm der Stadt anzuzirpen und Weibchen zu finden. Evolutionsbiologen der Universität Bielefeld haben festgestellt, dass dieses Balzverhalten an ihre Nachkommen weitervererbt wird. Sie zogen Jungtiere im Labor auf, wo diese – auch ohne Straßenlärm – mit der Geschlechtsreife lautstark sangen.

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