Vögel ganzjährig füttern – ja oder nein?
Sollten Vögel während der Brut- und Sommerzeit gefüttert werden oder nicht? Nützt die Fütterung oder schadet sie? Darüber wird seit Jahren heiß diskutiert, nicht einmal Ornithologen sind sich hier einig. Laut Deutschem Tierschutzbund e.V. (DTSB) und dem NABU ist eine pauschale Antwort daher schwierig. Einige Fakten sind jedoch unumstritten. Das Wichtigste im Überblick:
Der Stärkere setzt sich durch
„Es gibt Diskussionen darüber, dass generell häufige und dominante Arten wie Kohl- oder Blaumeise durch Fütterungen stark gefördert werden“, warnt James Brückner, Leiter des Wildtierreferats beim DTSB. „Das könnte dazu führen, dass weniger durchsetzungsstarke Arten wie die Weiden- oder Sumpfmeise benachteiligt werden.“ Auch der Bruterfolg des Trauerschnäppers sei gefährdet, da ihm durch die erhöhte Meisenpopulation weniger Nistmöglichkeiten zur Verfügung stehen.
Das natürliche Nahrungsangebot schwindet
In der Regel finden Vögel im Sommer ausreichend Insekten und Körner. „In Gebieten, in denen moderne Landwirtschaft betrieben wird, ist das Nahrungsangebot jedoch oft geringer“, erklärt James Brückner. „Perfektionierte Erntemaschinen sammeln auch das letzte Getreidekorn vom Acker.“ Viele Gärten würden außerdem mehr und mehr zu „Steinwüsten“. Vor allem in diesen Gegenden könne daher durchweg artgerechtes, hochwertiges Futter angeboten werden, um einem größeren Vogelbestand ein Auskommen zu sichern.
Alt- vs. Jungvögel
Insbesondere Altvögel profitieren von der zusätzlichen Nahrungsversorgung. Vorsicht: Manchmal verfüttern sie das Körnerfutter weiter an die Jungvögel. Fast alle Arten sind jedoch in den ersten Wochen auf proteinreiches Insektenfutter angewiesen; größere Samen oder Nüsse können laut NABU zu tödlichen Darm- oder Magenverschlüssen führen. Auf Nummer Sicher gehen Sie, wenn Sie zur Brutzeit von April bis Juli weder Fettfutter (hoher Anteil an Fett, z. B. Kokosfett oder Rindertalg) noch fettreiche Samen, Sonnenblumenkerne und Nüsse anbieten. Kleine, fettarme Samen von z. B. Brennnesseln, Birken, Klee, Schafgarbe, Sauerampfer oder Gräsern sind besser geeignet und im Fachhandel erhältlich. Auch getrocknete Insekten wie Mehlwürmer sind in größeren Mengen schwer zu verdauen, hier ist frisches oder gefrorenes Insektenfutter gesünder.
Gewusst was…
Damit die Vögel gesund bleiben, muss das richtige Futter gegeben werden. „Körnerfresser wie Spatzen und Finken mögen Kerne und Körner am liebsten“, erläutert James Brückner. Möglich sind z. B. Sonnenblumenkerne, Weizen, Haferflocken, Erdnüsse sowie Hanf- und Leinsamen. Das Futter sollte unbehandelt sein – also nicht geröstet, gesalzen oder gewürzt. Amseln, Rotkehlchen und der kleine Zaunkönig fressen v. a. proteinreiches Futter wie Insekten, Larven und Würmer, mögen aber auch heimisches Obst und Beeren. Fettfutter sollte grundsätzlich nur im Winter gegeben werden, da es im Sommer schnell verdirbt. Für alle Vögel gilt: Essensreste oder Brot sind als Futter absolut nicht geeignet!
Gewusst wie…
„Hygiene ist bei der Fütterung das A und O“, betont James Brückner. „Es sollte immer nur wenig Futter angeboten werden, das die Vögel in wenigen Stunden fressen.“ Gut geeignet sind Futterglocken oder Körnerspender, die dem natürlichen Verhalten der Vögel entgegenkommen und nicht so schnell verunreinigt werden. Auch Meisenknödel ohne Netz bieten sich an, in denen sich die Vögel nicht verheddern können. Futterhäuschen täglich ausfegen und einmal wöchentlich mit heißem Wasser reinigen. Heruntergefallenes Futter immer aufkehren und entsorgen, da es sonst Mäuse und Ratten anzieht. Damit das Futter nicht schimmelt, sollte es trocken gehalten werden.
Garten richtig gestalten
Die beste Hilfe für Vögel ist ein ganzjährig naturnaher Garten, in dem z. B. Schneeball, Pfaffenhütchen, Heckenrose, Holunder und Eberesche wachsen. „Man sollte Gärten auch nicht zu sehr aufräumen, sondern hohle Stängel, Blütenreste oder Fruchtstände stehen lassen“, rät James Brückner. „In abgestorbenen Pflanzenteilen sowie in aufgeschichtetem Reisig, in Holzstapeln oder Komposthaufen leben und verstecken sich zahlreiche Insekten – und damit natürliche Nahrung für unsere heimischen Singvögel.“