Wie Igel sicher über die Straße kommen

Igel

Igel leben gefährlich. Durch die moderne Landwirtschaft ist nicht nur ihr Lebensraum vielerorts zerstört, die eingesetzten Landmaschinen werden auch häufig zur tödlichen Gefahr - genau wie Mähroboter und Drahtzäune in heimischen Gärten. Gefahrenquelle Nummer Eins ist jedoch - wie für viele andere Wildtiere auch - der Straßenverkehr. Die Deutsche Wildtier Stiftung geht von rund einer halben Million Igel aus, die jedes Jahr durch Autos getötet werden. Laut NABU überqueren Igelmännchen jede Nacht bis zu zwölfmal eine Straße.

All diese Faktoren haben in den letzten Jahrzehnten zu einem dramatischen Rückgang der Igelbestände geführt. Die Internationale Union zur Bewahrung der Natur (IUCN) hat den Europäischen Igel im Jahr 2024 deshalb als „potenziell gefährdet“ eingestuft. Allein in Großbritannien leben heute laut NABU 75 Prozent weniger Igel als noch vor 20 Jahren. In Deutschland ist die Lage ebenfalls alles andere als gut, wie wir bereits Anfang 2025 an dieser Stelle berichtet haben.

Hörtest für Igel

Forscher der britischen Universität Oxford haben nun offenbar einen Weg gefunden, wie Igel zumindest davor künftig besser geschützt werden könnten. Im Rahmen einer Studie testeten sie bei 20 Igeln aus dänischen Wildtierauffangstationen die Hirnstammreaktion auf akustische Reize, indem kleine Elektroden die elektrischen Signale zwischen Innenohr und Gehirn aufzeichneten. Die Ergebnisse waren eindeutig: Igel reagieren auf Töne zwischen vier und 85 Kilohertz, die höchste Empfindlichkeit zeigten sie bei ca. 40 Kilohertz. Menschen hingegen sind nur in der Lage, Töne bis 20 Kilohertz wahrzunehmen.

Das Forschungsteam erstelle außerdem Mikro-CT-Scans vom Ohr eines verstorbenen Igels in hoher Auflösung. Auf den Aufnahmen waren - bislang bei Igeln unbekannte - anatomische Merkmale zu sehen, die man nur von Tieren kennt, die Ultraschall wahrnehmen, z. B. Fledermäuse.

Erkenntnisse für besseren Schutz

Die Wissenschaftler veröffentlichten die Studie im März in der Fachzeitschrift „Biology Letters“. Sie schlagen vor, die Hörfähigkeit der Igel zu nutzen, um sie mittels akustischer Signale vor Kollisionen mit Autos – und gegebenfalls auch mit Mährobotern – zu schützen. Dafür könnten so genannte Ultraschall-Repeller entwickelt werden, also Geräte, die an Autos befestigt werden und Igel akustisch warnen. Sophie Lund Rasmussen von der Universität Oxford und der Universität Kopenhagen, die Leiterin der Studie, erklärte in einer Pressemitteilung: „Nachdem wir entdeckt haben, dass Igel Ultraschall hören können, ist der nächste Schritt, mit der Automobilindustrie zusammenzuarbeiten, um entsprechende Geräte zu entwickeln. Wenn das gelingt, könnte das einen erheblichen Einfluss auf den Schutz der rückläufigen Igelpopulation haben.“

Übrigens: Im Anschluss an die Experimente wurden alle Tiere tierärztlich untersucht und in die Freiheit entlassen.

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