Ende für Nerzfarmen in Norwegen und Schweden

Über viele Jahre wurden in Norwegen rund eine Million Felle produziert – und das durchaus lukrativ: Der Gewinn lag laut ZDF bei bis zu 50 Millionen Euro, das Land war in der Produktion von Fuchspelzen weltweit führend. Nach Koalitionsverhandlungen hat die norwegische Regierung 2019 jedoch beschlossen, alle etwa 200 Farmen bis 2025 zu schließen. Am 1. Februar war es soweit. Während die Züchter nun Existenzängste plagen, freuen sich Tierschützer über ein weiteres Land, dass dieses grausame und restlos überholte Geschäftsmodell verbietet.
Im Juni wird mit Schweden wohl das nächste skandinavische Land nachziehen. Die schwedische Regierung hat verfügt, dass bis dahin die letzten Nerzfarmen schließen müssen und den Betreibern laut dem Deutschen Tierschutzbund e.V. finanzielle Entschädigungen angeboten. Noch im Jahr 2023 wurden hier bis zu 200.000 Nerzfelle produziert. Der Deutsche Tierschutzbund e.V. setzt sich, gemeinsam mit der „Fur Free Alliance“ und „Project 1882“, seit vielen Jahren für ein endgültiges Ende der Pelztierzucht ein. Mit der Initiative wurden europaweit über 1,5 Millionen Unterschriften für ein Verbot der Pelztierindustrie gesammelt.
Geschlossenheit in der EU notwendig
Die Erfolge können sich durchaus sehen lassen: In 22 europäischen Ländern ist die Pelztierhaltung mittlerweile komplett oder teilweise verboten, darunter sind 17 EU-Mitgliedsstaaten. In Deutschland sind Pelzfarmen zwar nicht verboten, bestehen aber aufgrund strenger Auflagen seit 2019 nicht mehr. Den Tierschutzorganisationen geht all das noch nicht weit genug; sie fordern ein generelles Verbot für die gesamte EU, die Nachfrage sei ohnehin seit Jahren rückläufig. Unterstützung erhalten sie dafür mittlerweile aus der Wissenschaft, nachdem sich Corona während der Pandemie auf dänischen Nerzfarmen ungebremst ausbreiten konnte.
Etwas faul im Staate Dänemark
Dänemark ist davon jedoch - genau wie Finnland, Polen und Griechenland - offensichtlich unbeeindruckt. Das Land gehörte vor Corona mit 1.400 Minkfarmen zu den größten Pelzexporteuren der Welt und führte allein im Jahr 2019 laut Redaktionsnetzwerk Deutschland 24,5 Millionen Felle aus. Was Bauern Mitte des 20. Jahrhunderts im kleinen Stil angefangen hatten, wurde zu einem Milliardengeschäft. Laut Deutschlandfunk gab es drei Mal so viele Nerze wie Menschen im Land. Dann mussten die Farmen quasi über Nacht ihren Betrieb einstellen, weil Herden mit dem Virus infiziert waren, das Virus mutiert und von dort auf den Menschen übergesprungen war. Dramatischer Höhepunkt: Dänemarks Regierungschefin Mette Frederiksen verfügte im November 2020, dass alle Nerze im Land getötet werden müssen – schätzungsweise 18 Millionen Tiere.
Seit zwei Jahren ist die Nerzzucht jedoch wieder erlaubt, seitdem kommen stetig neue Farmen hinzu. Viele Dänen verbinden sie in erster Linie mit Wohlstand. Das Niveau von 2019 ist allerdings noch nicht annähernd erreicht; Tier- und Naturschützer sind alarmiert und fordern ein endgültiges Ende.