Zecken auf dem Vormarsch

Bereits Anfang des Jahres wurden laut „Tagesschau“ die ersten Fälle von Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) u. a. in Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen gemeldet. Aufgrund milder Temperaturen im Winter sind Zecken immer häufiger ganzjährig aktiv und können Erkrankungen übertragen. Der Trend ist beunruhigend: Bereits im Jahr 2024 hatte das Robert Koch-Institut (RKI) mit bundesweit 686 FSME-Fällen die zweithöchsten Fallzahlen seit 2020 gemeldet – und das sind nur die offiziell erfassten Infektionen. Experten gehen von einer hohen Dunkelziffer aus, da die Erkrankung häufig auch mild verläuft.
Fakt ist: Zu den 180 Stadt- und Landkreisen, die das RKI im Jahr 2024 als FSME-Risikogebiete eingestuft hat, kamen in 2025 noch einmal drei hinzu. Dies sind ausdrücklich nur die Regionen mit einer erhöhten Inzidenz; einzelne Fälle kann es in praktisch jeder Region in Deutschland geben. Im Gegenzug ist nur jeder Fünfte geimpft, obwohl der Impfschutz mit 97 Prozent ausgesprochen hoch ist.
Was ist FSME?
Menschen und Tiere können über Zeckenstiche mit dem Virus, der FSME auslöst, infiziert werden. Beim Menschen verläuft ein Großteil der Infektionen unauffällig bzw. mild, es kann aber auch zu gefährlichen Entzündungen der Hirnhäute, des Gehirns und des Rückenmarks kommen. Hunde zeigen nicht immer Symptome; laut ESCCAP treten möglicherweise Fieber, vermehrte Schmerzhaftigkeit, Verhaltensänderungen, unsicherer Gang und Koordinationsstörungen bis hin zu Anfällen auf. Aktuell gibt es für sie keine Impfung, die Behandlung ist nur symptomatisch möglich. Eine Prävention durch eine wirksame Zeckenprophylaxe ist daher ratsam.
Borreliose
Deutlich häufiger als FSME und außerdem deutschlandweit kommt die Lyme-Borreliose vor, obwohl laut RKI nur maximal fünf Prozent aller Zecken das Bakterium übertragen. Allerdings steigt das Risiko mit der Dauer des Zeckenstichs ab etwa 16 bis 20 Stunden. Wer sich und sein Haustier also zweimal täglich absucht, kann das Risiko deutlich minimieren. Beim Menschen sind die Symptome laut GEO einer Infektion sehr vielfältig und hängen von der befallenen Körperregion – Haut, Gelenke, Nervensystem, Herz – ab. Für Menschen gibt es keine Impfung; jedes Jahr werden zwischen 15.000 und 35.000 Neuerkrankungen gemeldet. Bei Tieren verläuft die Borreliose ähnlich komplex. Da sich der Erreger laut ESCCAP nach dem Stich in Knorpelgewebe, Gewebszysten und Bindegewebszellen zurückziehen kann, ist ein Ausbruch auch nach längerer Zeit möglich. Häufige Symptome sind Fieber, Appetitlosigkeit, Gelenkschwellungen, Lymphknotenschwellungen und wiederkehrende Lahmheit. Für Hunde gibt es einen wirksamen Impfschutz, es wird eine Zeckenprophylaxe empfohlen.
Weitere Infektionen
Bei Hunden sind darüber hinaus vor allem Babesien, die die roten Blutkörperchen befallen, relevant. Infizierte Hunde erkranken meist akut und zeigen u.a. Mattigkeit, Fieber, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Blutarmut, Gelbfärbung der Schleimhäute und Einblutungen in die Haut oder Schleimhaut sowie blutigen Urin. Unbehandelt endet die Erkrankung häufig tödlich; sie lässt sich allerdings medikamentös gut therapieren.
Hunde und Katzen können durch einen Zeckenstich außerdem mit Anaplasmen infiziert werden. Symptome einer Anaplasmose sind Einblutungen in die Haut, Mattigkeit, Schwäche, Fieber und Schwellung der Lymphknoten. Die Behandlung ist langwierig, nicht immer lässt sich der Erreger vollständig eliminieren.
Schutz vor Zecken
Menschen sollten bei Aufenthalten in der Natur lange und helle Kleidung tragen. Repellentien – insektenabweisende Mittel – halten Zecken und andere Insekten wirksam fern. Diese werden auch für Haustiere empfohlen. Während Menschen jedoch in der Regel Sprays oder Lotionen nutzen, kommen bei Hunden und Katzen in erster Linie so genannte Spot-on-Präparate, die im Nackenbereich aufgetragen werden, sowie spezielle Halsbänder mit Wirkstoffen zum Einsatz.