Zu niedlich? Was KI aus Tierfotos macht

Affen KI

Katzenvideos waren im Internet jahrzehntelang der Hit. Es war einfach bezaubernd, wenn tapsige Kitten die Welt kennenlernen oder Schabernack treiben. In den letzten Jahren sind jedoch immer weniger echte Katzen im Internet unterwegs. Neben Fake-News tummeln sich nun auch Fake-Katzen – genau wie Fake-Hunde, Fake-Hamster oder Fake-Insekten. Ob es mit diesem Wissen noch so viel Spaß macht, sich Tierfotos und -videos anzuschauen, steht auf einem anderen Blatt Papier.

Verblüffend echt

Auch Redaktionen müssen zunehmend aufpassen, dass sie bei der Suche nach tierischem Bildmaterial nicht versehentlich an KI-Material geraten. Die Heinz Sielmann-Stiftung warnte bereits im letzten Jahr in einer Pressemitteilung: „Künstliche Intelligenz macht es heute möglich, kostengünstig und mit wenigen Klicks ästhetisch überzeugende Bilder zu erzeugen – auch von Tieren.“ Diese sehen täuschend echt aus und so lässt sich auch der ein oder andere verleiten, nicht an der Authentizität zu zweifeln. Aber: „Tatsächlich haben diese Bilder mit der Realität häufig wenig gemein“, warnt Dr. Hannes Patrischak, Leiter des Geschäftsbereichs Sielmanns Naturlandschaften und Naturerlebnis bei der Heinz Sielmann Stiftung.

Aber woran erkenne ich, ob ein Bild echt oder KI-generiert ist? Zur Veranschaulichung hat die Heinz Sielmann Stiftung Bilder von heimischen Arten durch eine KI generieren lassen und diese Bilder echten Fotos gegenübergestellt. Das Ergebnis war eindeutig: Das Aussehen der Tiere wurde durch die KI fast immer verfälscht. Typische Indizien sind auffällig „perfekte“ und verniedlichte Merkmale, insbesondere vergrößerte Kulleraugen. Waren die Tiere seltener bzw. war im Internet nur wenig Quellenmaterial zu finden, kam es außerdem zu offenkundigen Fehlern, da die KI ihre Ergebnisse anhand von öffentlich verfügbarem Material produziert. Die Libelle hatte z. B. zu lange Flügel, der Wiedehopf einen auffälligeren und hübscheren Kopf mit akkurateren Kopffedern, der Frosch eine weniger „matschige“ Farbe und der Feldhamster fast doppelt so große Augen.

KI-Bilder selber erkennen

Die Heinz Sielmann-Stiftung fordert nun eine transparente und eindeutige Kennzeichnung von KI-Bildern sowie eine fachliche Prüfung. Andernfalls bestünde die Gefahr, dass KI-Tierbilder zur allgemeinen Flut an Desinformationen beitrügen und so Unwissen über die Natur und Biodiversität fördern. Wer weiterhin gerne einfach nur niedliche Katzenvideos schauen möchte, sollte genau hinschauen. Wirkt alles zu glatt, zu perfekt? Sind Merkmale, Bewegungen und Verhalten arttypisch? Und bei echten Fotos ganz wichtig: Wie geht es den Tieren auf den gezeigten Bildern? Wurden sie in ihrem natürlichem Umfeld gefilmt bzw. fotografiert? Gestellte Bilder bergen immer die Gefahr, dass das Tier etwas macht, was es eigentlich nicht möchte – und das sollte nicht durch das Konsumieren der Inhalte unterstützt werden.

Quelle: Heinz Sielmann-Stiftung

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